Die Behandlung physischer Symptome
Paul C. Lee, M.D.
Medizinischer Direktor, HANS
Wir in westlicher Medizin ausgebildete �rzte haben gelernt, Autismus sei eine unheilbare, nicht therapierbare Krankheit. Warum sich also die M�he nehmen, f�r betroffene Kinder eine Diagnose zu erstellen, wenn es so oder so keine Behandlung gibt? Angesichts der alarmierenden Zunahme in der H�ufigkeit dieser Krankheit sind derzeit viele relevante Forschungsprojekte im Gange. Neuste Studien haben gezeigt, dass viele der betroffenen Kinder gleichzeitig an signifikanten koexistenten medizinischen (physiologischen) St�rungen leiden, die behandelt werden m�ssen. Es handelt sich hier um ein im Entstehen begriffenes Fachgebiet, und wir verf�gen �ber keine eindeutigen Behandlungsprotokolle. F�r die meisten von uns klingen viele der existierenden Behandlungsformen sehr unkonventionell und scheinen darum belanglos zu sein. Trotz des Mangels an wissenschaftlich fundierten geeigneten Therapieans�tzen gibt es jedoch viele anekdotische und umstandsbedingte Indizien, dass diese Therapien sehr wirksam sein k�nnen. Eine Reihe dieser Behandlungsformen werden auf der n�chsten Seite vorgestellt. Die meisten �rzte, die Zeit in die Erforschung der "medizinischen Behandlung" des Autismus investiert haben, stimmen �berein, dass diese Therapiestrategien zweifellos einen Versuch wert sind.
Eine wichtige Tatsache, die man nicht aus den Augen verlieren sollte, ist, dass es sich bei der Autismusspektrum-St�rung (Autism Spectrum Disorder [ASD]) anscheinend um eine Syndrom handelt, das sich aus verschiedenen Krankheiten mit �hnlichen Symptomen zusammensetzt. Es gibt darum nicht eine einzige Therapie, die bei allen Menschen mit ASD erfolgreich ist. Die extreme Variabilit�t der ASD erfordert einen �u�erst individualisierten Behandlungsplan, was f�r jeden Arzt nur schon bei einem einzigen Kind eine enorme Herausforderung darstellen kann. Die Zusammenarbeit mit den Eltern und das Konzept, diese dazu zu bewegen, die Rolle des Managers f�r den Fall ihres Kindes zu �bernehmen, ist unter Umst�nden die beste Strategie. Vergessen Sie jedoch nicht, dass viele dieser Eltern von den Bed�rfnissen ihres Kindes bereits �berw�ltig sind. Zum gegenw�rtigen Zeitpunkt werden Pl�ne f�r die Implementierung eines Systems entwickelt, das eine/n Gesundheits- und Krankenpfleger/in als Fallmanager vorsieht.
Viele Forscher gehen heute davon aus, dass ASD durch einen Autoimmunprozess ausgel�st wird, der Auswirkungen auf mehre Systeme hat, darunter auch auf den Magen-Darmtrakt, das Gehirn und die Leber. Bei Menschen mit ASD sind signifikant erh�hte Autoantik�rperspiegel gegen zahlreiche Antigene wie das Myelin-Basisprotein (MBP) im Blut festgestellt worden. Endoskopische Untersuchungen des Magen-Darmtrakts entdeckten in einer signifikanten Anzahl von F�llen �sophagitis, Duodenitis, Colitis sowie Anschwellung der Lymphdr�sen. Die Mehrheit der betroffenen Kinder leidet an Milchallergien oder vertr�gt Milchprodukte nicht. Bei �ber 90 Prozent der Betroffenen sind sehr niedrige Sulfatwerte im Blut festgestellt worden. Die meisten dieser Kinder haben sehr geringe Mengen Phenol-Schwefeltransferase (PST). Dieses Enzym gilt als einer der wichtigsten Mechanismen bei der Entgiftung. Glutathionperoxidase- und Superoxiddismutasespiegel (wichtig beim antioxidativen Mechanismus, der freie Radikale inaktiviert) waren bei Betroffenen bedeutend tiefer als bei Menschen in der Kontrollgruppe.
Es wird vermutet, dass viele der sogenannten "autistischen Verhaltensformen" Manifestationen physiologischer St�rungen sind. Kopfschlagen und Schlafst�rungen k�nnen Reaktionen auf Schmerzen sein, die sonst nicht artikuliert werden k�nnen. Es ist wahrscheinlich, dass die Behandlung physiologischer St�rungen eine bedeutende Besserung in Bezug auf autistisches Verhalten bewirkt, was dazu f�hrt, dass schulische Interventionsma�nahmen wirksamer sind. Bei einer kleinen Anzahl von Kindern, die auf andere Therapien nicht ansprechen, �ben SSRIs und Neuroleptika unter Umst�nden eine n�tzliche Funktion aus. Die meisten dieser Medikamente sind jedoch nicht f�r Kinder zugelassen und es existieren sehr wenige Studien, die ihre Wirksamkeit belegen.
Eine �berweisung betroffener Kinder f�r Fr�hintervention an entsprechende Stellen ist ausschlaggebend. Schulische Programme k�nnen eine tiefgreifende Wirkung haben, besonders dann, wenn sie mit medizinischen Interventionsma�nahmen, die Aufmerksamkeit und Verhalten verbessern, kombiniert werden.
Die drei medizinischen Interventionsma�nahmen, die zuerst in Betracht gezogen werden sollten (und zu denen Eltern m�glicherweise Fragen haben�)
Magen-Darmtrakt: Viele Kinder leiden an Durchfall, Verstopfung, �sophagitis, Gastritis, Duodenitis und Colitis. Diese St�rungen k�nnen eine Reihe verschiedener Symptome wie Bauchschmerzen und Aufwachen w�hrend der Nacht hervorrufen. Bei vielen Betroffenen wird auch ein Pilzbefall des Darms festgestellt.
Versuchen Sie es mit der Eliminierung von Milchprodukten. Es liegen n�mlich �berzeugende Beweise vor, dass viele dieser Kinder an Milchallergien leiden oder Milchprodukte nicht vertragen. Eine Unvertr�glichkeit von Gluten ist ebenfalls recht verbreitet, und ein Versuch, Gluten zu meiden, (obwohl dies schwieriger ist) kann sich lohnen. Viele bezeichnen dies als eine GF/CF-Di�t (gluten- bzw. kaseinfreie Di�t) (siehe weiter unten). Die Theorie, die von einem �berschuss an Opioiden ausgeht, unterst�tzt diese Di�t ebenfalls. Der Einsatz von Medikamenten gegen �berwucherungen mit Hefepilzen kann ebenfalls erwogen werden. Leider gibt es derzeit nur wenige Magen-Darmspezialisten, die bereit sind, Kinder mit Autismus zu evaluieren und zu behandeln. Das LADDERS-Programm an der Harvard University ist unter Umst�nden eine Ressource, wenn eine �berweisung an einen Gastroenterologen geplant ist.
Entgiftung: Es gibt glaubw�rdige Beweise, dass die Stoffwechselwege zur Entgiftung bei vielen dieser Kinder gest�rt sind. Sulfate spielen eine wichtige Rolle, und ca. 90 Prozent der autistischen Kinder haben sehr tiefe Sulfatwerte, was bedeutet, dass sie Schwierigkeiten haben, eingenommene oder im K�rper entstandene Giftstoffe auszuscheiden. Sulfate sind auch f�r die Gesundheit des Magen-Darmtraktes �u�erst wichtig. Das Ersetzen von Sulfaten mit Magnesiumsulfat (Epsom-Salz) ist m�glicherweise hilfreich.
Die Anh�ufung von Schwermetallen in K�rper kann ebenfalls eine wichtige Rolle spielen; eine Chelattherapie sollte jedoch nur nach sorgf�ltigen Untersuchungen in Betracht gezogen werden. Eine Reduktion von Giftstoffen ist f�r diese Kinder wahrscheinlich von Nutzen. Giftstoffe k�nnen umweltbedingt (Insektizide, Herbizide, Quecksilber, Arsen, Autoabgase, usw.) oder haushaltbedingt (Formaldehyd, Reinigungsmittel, fl�chtige organische Verbindungen, Blei, usw.) sein. Erw�gen Sie ebenfalls eine Beschr�nkung des Konsums von Nahrungsmitteln bzw. Produkten, die Phenol enthalten (Phenol-Schwefeltransferasemangel), wie z. B. �pfeln.
Oxidativer Stress: Der Methylierungsstoffwechsel und andere antioxidative Mechanismen sind oft ebenfalls gest�rt. Eine verminderte F�higkeit, freie Radikale zu deaktivieren, kann bedeutende Auswirkungen auf das Zentralnervensystem haben. Die Gabe von Nahrungserg�nzungsmitteln sollte empfohlen werden, besonders darum, weil die Ern�hrung vieler Kinder mit Autismus aufgrund ihrer Essgewohnheiten sehr beschr�nkt ist. Eine Einschr�nkung des Konsums stark verarbeiteter Nahrungsmittel (hoher Gehalt an freien Radikalen) ist ebenfalls angezeigt.
Wie bereits erw�hnt wurde braucht jedes Kind wegen der extremen Variabilit�t dieser Krankheit einen anderen Behandlungsplan. Es gibt jedoch keine soliden medizinischen Tests zur Beurteilung der Wirksamkeit dieser Interventionsstrategien. Wie ungenau und subjektiv dies auch sein mag, ist der Verlass auf Berichte von Eltern �ber �nderungen im Verhalten ihrer Kinder unter Umst�nden die einzige M�glichkeit. Zum Gl�ck sind die Wahrnehmungen vieler Eltern in dieser Hinsicht sehr scharf. Geht man empirisch vor, muss unbedingt betont werden, dass nur eine therapeutische �nderung aufs Mal vorgenommen werden darf. Ich w�nsche Ihnen viel Gl�ck, und verlieren Sie die Hoffnung nicht.
Literatur
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- Alberti A, Pirrone P, Elia M, Waring RH, Romano C. Sulphation Deficit in "low-functioning" autistic children: a pilot study. Biol. Psychiatry 1999: 46; 420-424
- Yorbik O, Sayal A, Akay C, et al. Investigation of antioxidant enzymes in children with autistic disorder. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids. 2002 Nov; 67(5): 341-3
- James SJ, Cutler P, Melnyk S, et al. Metabolic biomarkers of increased oxidative stress and impaired methylation capacity in children with autism. Am J Clin Nutr 2004 Dec: 80 (6): 1611-7
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